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Wolfram Hahn - Into The Light

Die bereits 2009/11 entstandene Serie Into The Light des in Berlin lebenden Künstlers und Fotografen Wolfram Hahn zeigt Porträts von Jugendlichen, welche sich für ihren Auftritt in sozialen Netzwerken inszenieren. Entstanden als Ergebnisse eines längeren Austauschs zwischen Fotograf und Porträtierten sind es Nachstellungen von Selbstporträts aus den sozialen Medien, die ebenjenen Augenblick dokumentieren, in dem die Porträtierten sich und ihre private Lebenswelt festhalten. Selbstdarstellung und (sub-)kulturelle Kontextualisierung – mit Postern im Hintergrund, Kleidung, Posen, etc. – befinden sich in diesem Moment subjektiv in perfektem Einklang.

Die Fotografien spiegeln eine populäre Kommunikationsform Jugendlicher im Netz wider, die auf einen Blick persönliche Interessen und Einstellungen erkennen lassen. Auf diese Weise werden gewünschte Zielgruppen im Netz schnell und eindeutig verständlich erreicht und – potenziell über territoriale und soziale Grenzen hinweg – neue Kontakte geknüpft und Gemeinschaften hergestellt. Inwiefern die Praxis der Selbstinszenierung tatsächlich Gemeinschaft erzeugt, wie sich diese in Abhängigkeit von den jeweiligen Plattformen entwickeln kann und ob deren Qualität einer Interaktion in der realen Welt nahekommen kann, ist nur von denjenigen zu bewerten, die es selbst ausprobieren. Der Druck, anderen gefallen zu wollen und entsprechend zu handeln, ist jedoch ungleich größer als in der realen Welt, in der dauerhafte Freundschaften nicht nur durch Konsens bestimmt werden, sondern erst durch konstruktiv gelösten Dissens an Tiefe gewinnen.

In der Ausstellung in der Stiftung Genshagen werden die Fotografien von Wolfram Hahn in kleinen Gruppen über verschiedene Räume hinweg gehängt – vom Eingangsbereich bis ins erste Obergeschoss. Dadurch entstehen immer wieder neue Blickachsen, die dem Publikum ständig neue visuelle Kontexte bieten. Die einzelnen Porträtierten stehen im Vordergrund; erst in der sukzessiven Betrachtungsweise entsteht das Bild einer Gemeinschaft, deren Mitglieder untereinander ähnlich erscheinen, ohne sich jedoch jemals kennengelernt zu haben. Die Fotografien der Ausstellung werden ergänzt durch ein Textheft mit Auszügen aus den E-Mail-Konversationen des Fotografen mit den Porträtierten, die nach der ersten Kontaktaufnahme entstanden sind.

Text: Daniel Klemm

Wolfram Hahn, geboren 1979 in Crailsheim, lebt und arbeitet als Fotograf in Berlin. Er studierte Fotografie an der Fachhochschule Potsdam und an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Bekannt geworden ist Hahn durch seine Porträtserien „Ein entzaubertes Kinderzimmer“ (2006) und „Into the Light“ (2009-11), die in intensiver und oft langwieriger Auseinandersetzung mit den jeweiligen Sujets entstanden sind, sowie „Draussen“ (2014-15), eine Serie über Farbe und Form der Wegwerftüte. Hahn veröffentlichte mehrere Publikationen, erhielt zahlreiche Stipendien und war nominiert für diverse Preise, u.a. für das UNICEF Foto des Jahres (2007), den World Press Photo Award (2011) oder den Deutschen Fotobuchpreis (2017).

 

 

 

 

Der in Berlin lebende Künstler und Fotograf Wolfram Hahn stellt im Rahmen des Themenschwerpunkts der Jahre 2020/21 „Zusammenhalt gestalten – Nachbarschaft in Europa“ seine Portraitserie „Into the Light“ im Schloss Genshagen aus. In einem Video führt er durch die Ausstellung und erläutert die Entstehung der Arbeit.