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Europäischer Dialog

10.02.2015 15:44 Alter: 3 yrs

Brandenburger Europagespräch: Russland, der Ukraine-Krieg und Europa. Was geht uns das an?

19.05.2015

Am 19. Mai 2015 fand das Brandenburger Europagespräch zum Thema „Russland, der Ukraine-Krieg und Europa. Was geht das uns an?“ im Schloss Genshagen statt. Im Mittelpunkt stand dabei die innerdeutsche Debatte rund um den aktuellen Krieg in der Ukraine. Es ging darum, die verschiedenen politischen Argumentationsmuster und Strömungen der deutschen Debatte zu reflektieren und die historisch-kulturellen Gründe für die unterschiedlichen Interpretationen und Positionen im Zuge des Ukraine-Konflikts zu analysieren. Den Auftakt zu einer lebhaften und spannungsgeladenen Debatte machte der Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Parlamentariergruppe des Bundestages Thomas Nord (DIE LINKE). Er verwies darauf, dass im Osten Deutschlands das in der DDR vermittelte Geschichtsbild noch nachwirke und die Wahrnehmung des aktuellen Konflikts zweifelsfrei beeinflusse. Als gesamtdeutsches Problem bezeichnete er hingegen die mangelnde Differenzierung zwischen der Sowjetunion und Russland. Neben der reaktionären Politik Putins kritisierte er auch die EU, die durch die Vernachlässigung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Osteuropas mit zur Schwächung der osteuropäischen Länder beigetragen habe. Er warnte vor einer Historisierung der politischen Prozesse und warf allen Seiten eine Tendenz zur politischen Instrumentalisierung der Geschichte vor. Der Publizist, Bürgerrechtler und Ukraine-Experte Wolfgang Templin argumentierte gegen die weitverbreitete deutsche Ignoranz gegenüber der Ukraine als eigenständiges politisches Subjekt an. Er machte deutlich, dass die Ukraine kein „Saisonstaat“ sei, sondern sich über Jahrhunderte als Nation mit eigener Kultur, Geschichte und Sprache herausgebildet habe. Der Direktor des Europäischen Zentrums Solidarność in Gdańsk und Beiratsmitglied der Stiftung Genshagen, Basil Kerski, forderte, die enormen Potenziale der Vielfalt Europas, die sich gerade in den komplexen multikulturellen Realitäten Mittel- und Osteuropas offenbarten, besser zu nutzen. Die große Erfolgsgeschichte der deutsch-polnischen Verständigung sei dabei ein Schatz, der den Weg für die weitere Entwicklung Osteuropas weisen könnte.

Förderer: Land Brandenburg

Ansprechpartner: Stephen Bastos