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Europäischer Dialog

02.07.2014 15:45 Alter: 3 yrs

V. Genshagener Forum für deutsch-französischen Dialog
Europa unter Zugzwang: Krise(n) der Gegenwart, Herausforderungen der Zukunft

20.11.2014 - 21.11.2014

© Nora Erdmann

Das Genshagener Forum für deutsch-französischen Dialog bringt seit 2010 jedes Jahr rund einhundert deutsche und französische Entscheidungsträger und Vertreter aus Politik, Diplomatie, Wirtschaft, Kultur und Medien zusammen, um über ein zentrales Thema der Zukunft Europas zu diskutieren. Ziel ist es, die deutsch-französische Debatte über Europa durch die Beteiligung unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen zu beleben und mögliche Wege für gemeinsame Strategien aufzuzeigen. Die Jahreskonferenzen sind stets einem für die Zukunft Europas relevanten Thema gewidmet – ohne dabei eine deutsch-französische Nabelschau zu betreiben. Das Genshagener Forum ist ein Kooperationsprojekt der Stiftung Genshagen und des französischen Institut Montaigne.

In seinen letzten Ausgaben widmete sich das Forum den Themen: „Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise“, „Migration und Integration als nationale und europäische Herausforderung“ „Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Solidarität: Welche Energiestrategie für Europa?“ sowie „Die EU, Nordafrika und der Mittelmeerraum: Gegenseitige Erwartungen, gemeinsame Perspektiven?“.

Das V. Genshagener Forum für deutsch-französischen Dialog beschäftigte sich am 20./21. November 2014 mit dem Rahmenthema „Europa unter Zugzwang: Krise(n) der Gegenwart, Herausforderungen der Zukunft“. Referenten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Journalismus diskutierten mit über 100 Gästen aus Frankreich und Deutschland.

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Die Herausforderungen, denen Europa sich stellen muss, sind zahlreich. Ob sie wie die Finanzkrise von außen auf Europa wirken und die Mitgliedstaaten zu gemeinsamen Lösungen (Stichwort Jugendarbeitslosigkeit) zwingen, oder ob sie in Europa selbst entstanden sind (Stichwort Identitätskrise) ist dabei zusehends nebensächlich – darin waren sich die Experten des V. Genshagener Forums einig. Nur, wie soll mit dem massiven Zugzwang, unter dem Europa aktuell steht, umgegangen werden?

„Vertrauen in Europa“ war eines der wichtigsten Schlagworte der Konferenz: sei es im Umgang mit der Finanzkrise oder im Hinblick auf die Frage nach dem richtigen politischen Modell für die EU. Den sozialen Zusammenhalt in Europa gelte es zu stärken – hierfür müssten insbesondere die Bürger wieder stärker an das Projekt Europa gebunden werden: durch Transparenz der Entscheidungsprozesse sowie durch die Rationalisierung bestehender Strukturen, so die Idee der Einen; durch offenere Wettbewerbsräume und administrative Flexibilität in den innereuropäischen Grenzregionen, so das Plädoyer der Anderen.

Einigkeit bestand darin, dass die bisherigen Antworten der Politik auf die vielfach wirtschaftlich diktierten Realitäten wenig kreativ seien. Doch auch ihre Diskussion zeigte die Schwierigkeit, sich von den Grundsatzfragen zu lösen: Sollen die Verträge der Europäischen Union reformiert werden oder unangetastet bleiben? Sollen die Mitglieder der Eurozone einen eigenen Kurs verfolgen? Welche Linie ist angesichts der wirtschaftlichen Misere in der Einwanderungspolitik angebracht? Wie soll Europa mit den außenpolitischen Herausforderungen umgehen? Das V. Genshagener Forum bot noch vielen weiteren Fragen Raum – von der vielbeschworenen Europamüdigkeit war in den Debatten allerdings nichts zu spüren.

Den Abschluss der Konferenz bildete die Diskussion zwischen dem ehemaligen französischen Premierminister François Fillon und der saarländischen Ministerpräsidentin und Bevollmächtigten Deutschlands für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit, Annegret Kramp-Karrenbauer, über mögliche Antworten auf Desintegrationstendenzen in der EU.

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Die Jahreskonferenzen des Genshagener Forums sind in einen umfassenden Arbeitsprozess eingebettet: Jährlich wird eine deutsch-französische Meinungsumfrage unter 1000 Deutschen und 1000 Franzosen realisiert. Der erste Teil der Umfrage misst die Wahrnehmung der deutsch-französischen Beziehungen, der zweite Teil beschäftigt sich mit dem Jahresthema der Konferenz. Zusätzlich wird eine deutsch-französische Studie in Auftrag gegeben, die unter Bezugnahme auf den jährlichen Schwerpunkt des Forums konkrete Politikempfehlungen formuliert.

Besuchen Sie unsere Fotogalerien zu den Genshagener Foren aus den Jahren 2010, 2011, 2012 und 2013.

 

Förderer und Partner 2014: Institut Montaigne, Auswärtiges Amt, Robert Bosch Stiftung, EDF Deutschland.

Ansprechpartnerinnen: Isabelle Maras, Dr. Janine Ziegler