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13.06.2018 10:13 Alter: 182 days

Kulturvermittlung, Kulturelle Bildung und zeitgenössisches Kunstschaffen in Europa

Druckwerkstatt im Schlosspark. © Stiftung Genshagen | René Arnold

Künstlerinnen und Künstler des Residenzsprogramms Sand-Chopin 2017 in Genshagen. © Stiftung Genshagen | Beatriz Lanchas Fuentes

In den letzten 25 Jahren haben Künstlerinnen und Künstler das Schloss Genshagen mitsamt Park zu einem Ort der künstlerischen Begegnung und Vermittlung gemacht. Denn die Stiftung Genshagen misst der Kunst und Kultur eine zentrale Bedeutung für die europäische Identität und das freiheitliche und demokratische Zusammenleben in Europa bei. Zeitgenössische Künste zielen nämlich nicht nur auf das Gemeinsame, Harmonische und Verbindende - kritische Kunst und Kulturarbeit kann und soll auch irritieren, provozieren, sich der Norm und Tradition widersetzen, Vertrautes in Frage stellen.

Der Stiftungsbereich "Kunst- und Kulturvermittlung in Europa" unterstützt deshalb sowohl Künstlerinnen und Künstler in ihrem Schaffen als auch die kulturelle Vermittlungsarbeit. In den Veranstaltungen des Stiftungsbereichs sind stets künstlerische Positionen vorgesehen: sei es als künstlerisch-praktischer Impuls oder als Kunstwerk. Die Künstlerinnen und Künstler erhalten eine Plattform, um Projekte vorzustellen und bekommen in Diskussionen eine aktive Rolle zuerkannt. So gehören auch Konferenzen zu Fragen der künstlerischen Praxis und Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur zum Programm der Stiftung.

Preise

Der BKM-Preis Kulturelle Bildung zeichnet herausragende Projekte der Kulturellen Bildung aus. Er wird seit 2009 von der Stiftung Genshagen organisiert und jährlich von der Kulturstaatsministerin verliehen. Das Rahmenprogramm bietet den herausragenden Vermittlungs-Projekten aus ganz Deutschland die Möglichkeit zu Vernetzung und Austausch. Zudem rief die Stiftung Genshagen den deutsch-französischen Franz-Hessel-Preis für zeitgenössische Literatur in Zusammenarbeit mit der Villa Gillet (Lyon) ins Leben, um den grenzüberschreitenden literarischen Austausch und Übersetzungen zu fördern. Er wird ebenfalls jährlich von den Kulturstaatsministerinnen Deutschlands und Frankreichs verliehen.

Residenzen und Ausstellungen

Schloss und Park sind als Ort für Residenzen Begegnungs- und Schaffensraum für Künstlerinnen und Künstler. Seit 2011 bot das Residenzprogramm George Sand - Frédéric Chopin jeweils einer Künstlerin oder einem Künstler aus Deutschland, Polen und Frankreich acht Wochen lang die Möglichkeit des grenzüberschreitenden Austauschs und des kreativen Schaffens in Genshagen. Ab 2019 wird der neue Fokus auf gemeinsamen Tandem-Residenzen von Schriftstellern und Übersetzern liegen. Das Schloss bietet zudem Raum, um Werke der bildenden Kunst zu präsentieren. Seit 2007 sind hier Leihgaben aus der Sammlung Zeitgenössische Kunst des Bundes zu sehen. Darüber hinaus werden Ausstellungen gezeigt, zuletzt Günter Grass und Daniel Chodowiecki - zwei Europäer aus Danzig? und Valerio Vincenzo - Borderline, Frontiers of Peace.

Künstlerische Praxis in Pilotprojekten der Kulturellen Bildung

Bei den Pilotprojekten der Kulturellen Bildung handelt es sich um einmalige Kooperationen mit Brandenburger Kultur- und Bildungsinstitutionen oder Vereinen. Unter der Leitung von Künstlerinnen und Künstlern werden übertragbare Modellformat umgesetzt, meist grenzüberschreitend. 2017 entstand so in Kooperation mit der Gottfried-Daimler-Schule in Ludwigsfelde und Schülerinnen und Schülern einer Willkommensklasse das Märchenbuch Sara und Josef im verfluchten Wald. Bei deutsch-französisch-polnischen Theaterwerkstätten wie Was ist Erinnerung, mémoire, wspomnienie? erkunden Jugendliche und junge Erwachsene aus den drei Ländern außerdem den Kulturraum und setzen ihre Sicht in Szene. Ein weiteres Beispiel ist An den Grenzen der Zukunft: dort finden in Nomadischen Laboren internationale Jugendbegegnungen statt, die sich mit künstlerischen Mitteln mit einer gesellschaftlichen Fragestellung auseinandersetzen. Das Ergebnis wird dann im Rahmen einer europäischen Fachtagung präsentiert und diskutiert.

 

Julia Effinger, Charlotte Stolz und Linda Weichlein